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Alarmsignal für Standort Deutschland: Forschung wird zunehmend ins Ausland verlagert
08.09.2026
Die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus setzen in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld weiter auf Forschung und Entwicklung (FuE) – auch an ihren Stammsitzen. Laut einer aktuellen Erhebung unter gut 400 VDMA-Mitgliedsfirmen rechnen 39 Prozent der Befragten für das Jahr 2026 mit steigenden FuE-Aufwendungen in Deutschland. Zugleich verlagern sich die Forschungsaktivitäten jedoch zunehmend ins Ausland: Mehr als 40 Prozent der Unternehmen forschen bereits außerhalb Deutschlands. Bei Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten sind es sogar neun von zehn Firmen, die auf Forschung im Ausland setzen. Insgesamt geben 69 Prozent an, dass ihre FuE-Aktivitäten jenseits der Grenzen ausgebaut werden. 40 Prozent der bereits international forschenden Unternehmen erwarten, dass ihr Auslandsanteil in den nächsten fünf Jahren um etwa 10 Prozentpunkte steigt; weitere knapp 40 Prozent der Befragten rechnen sogar mit einem noch stärkeren Zuwachs.
Das ist ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland – auch weil wir mit 190.000 Ingenieuren wichtigster Wertschöpfungspartner für neue Produkte und Prozesse der Wirtschaft sind,
sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen. Der Maschinenbau investiert zwar auch unter schwierigen Bedingungen in seine Zukunftsfähigkeit am Stammsitz. Diese zusätzlichen Mittel fließen vor allem in neue Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Wo FuE-Aufwendungen sinken, nennen die Unternehmen jedoch vor allem Umsatzrückgänge und hohe Standortkosten als Gründe.
Innovation findet nicht im luftleeren Raum statt. Eine angespannte Ergebnissituation und strukturelle Standortnachteile begrenzen den finanziellen Spielraum auch für Zukunftsinvestitionen,
betont Rauen.
Deutschland steht am Scheideweg: Wer den Industriestandort und Hightech hierzulande sichern will, muss jetzt die Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen schaffen.
Forschungszulage wirkt
Der VDMA verweist dabei vor allem auf die Forschungszulage – das mit Abstand meistgenutzte staatliche Förderinstrument für Forschung und Entwicklung im Maschinenbau. 48 Prozent der befragten Unternehmen haben die Zulage in den vergangenen drei Jahren genutzt. Immerhin jedes vierte Unternehmen mit steigenden FuE-Aufwendungen nennt Fördermöglichkeiten als einen Grund für die Ausweitung.
Das zeigt: passfähige, technologieoffene und unbürokratische Förderung wirkt,
sagt Rauen.
Ein kräftiger Ausbau solcher Instrumente hilft unseren Unternehmen im harten globalen Technologiewettbewerb.
Industrielle Gemeinschaftsforschung: Wirtschaftsministerium gefordert
Die geplante Kürzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) im Bundeshaushalt 2027 bezeichnet Rauen vor diesem Hintergrund als fatales Signal.
Es gibt kein besseres Instrument für die Brückenbildung zwischen Wissenschaft und Industrie, den vielbeschworenen Transfer,
betont der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer.
Unter der Kürzung leiden gerade jene Unternehmen, die noch stark auf den FuE-Standort Deutschland setzen.
Gefragt sei eine Innovationspolitik, die noch viel deutlicher auf „Research for Industry“ und starke Produktionstechnologien als notwendige Voraussetzung jeglicher Skalierung neuer Technologien setzt.
China ist innovationsstärkster Wettbewerber
Forschung und Entwicklung im Ausland erfolgt vor allem an internationalen Unternehmensstandorten – insbesondere in China, Indien und den USA. China und Indien dürften weiter an Bedeutung gewinnen, während Deutschland und andere europäische Standorte bestenfalls stagnieren.
Wenn dieser Trend ungebremst anhält, gefährdet er schon bald den innovativen Kern unserer Industrie,
warnt Rauen.
71 Prozent der Befragten verorten ihren innovationsstärksten Wettbewerb inzwischen in China, 65 Prozent in Deutschland. Bis 2024 lag Deutschland noch vorn.
Auch hier sehen wir, wie stark der Druck aus China mittlerweile ist,
sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer. Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Innovationsprozess werden China und die USA deutlich besser bewertet als Deutschland. Grundlagenforschung bleibt hingegen weitgehend eine heimische Domäne: Nur selten findet sie an den wichtigsten ausländischen FuE-Standorten in China, Indien oder den USA statt. Dort dominieren markt- und produktionsnahe Aufgaben.
Gerade bei sensiblem Wissen, das über die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, halten Unternehmen ihre Grundlagenforschung bewusst näher am Heimatstandort,
erläutert Rauen.
Damit das so bleibt und unser Innovationsraum nicht erodiert, muss Deutschland an allen Stellschrauben seiner Wettbewerbsfähigkeit drehen und auch ungewollten Wissensabfluss aus der Wissenschaft vermeiden.
Haben Sie noch Fragen? Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, Telefon 069 6603 1331, hartmut.rauen@vdma.eu beantwortet sie gerne.
Quelle: © VDMA e. V.
Der VDMA vertritt 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3 Millionen Menschen in der EU-27, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt rund 900 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der in der EU verkauften Maschinen stammen aus einer Fertigungsstätte im Binnenmarkt.

