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Globale Unsicherheit, Kriege und US-Zollpolitik belasten Maschinenausfuhren
22.05.2026
Kriege, unterbrochene Lieferketten, Zölle: Die globalen Märkte waren zu Jahresbeginn geprägt von Unsicherheiten und ausbleibenden Investitionen. Dies hat Löcher in die Exportbilanz des Maschinen- und Anlagenbaus gerissen. Im ersten Quartal 2026 wurden aus Deutschland Waren im Wert von 48,9 Milliarden Euro exportiert – ein Rückgang um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Preisbereinigt ergab sich ein Minus von 3,5 Prozent. Während die Ausfuhren im Januar und Februar noch ein Minus von 6,6 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent zum Vorjahr verzeichneten, gelang im März ein kleines Plus von 1,2 Prozent.
Das erste Quartal war geprägt von hoher Unsicherheit. Aktuell setzt der Krieg im Nahen Osten den Maschinen- und Anlagenbau spürbar unter Druck. Je länger der Krieg andauert, desto mehr wird sich das auch auf die globale Konjunktur auswirken – und damit auch auf unsere Exporte,
sagt VDMA-Konjunkturexpertin Anke Uhlig.
USA bleiben vorn, China rutscht ab
Der größte Einzelmarkt waren auch im ersten Quartal die USA mit einem Exportanteil von 12,7 Prozent an den Gesamtmaschinenausfuhren. Allerdings sanken die Ausfuhren dorthin um 6,7 Prozent. Die Exporte in die USA dürften in den nächsten Monaten aufgrund der aktuellen Zollentwicklungen und den deutlich spürbaren Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau weiterhin unter Druck bleiben, prognostiziert das Team der VDMA Volkswirtschaft und Statistik.
Der zweitwichtigste Exportmarkt China entwickelte sich abermals enttäuschend. Besonders starker lokaler Konkurrenzdruck und unfaire Wettbewerbsbedingungen vor Ort belasten die Nachfrage nach europäischen Investitionsgütern – und das schon seit Jahren. Zwischen Januar und März gingen die Maschinenexporte aus Deutschland nach China zweistellig um 12,0 Prozent zurück. Zwar verblieb China mit einem Exportanteil von 7,2 Prozent immer noch auf Platz 2 in der Rangfolge der wichtigsten Ausfuhrländer. Es ist aber absehbar, dass die Volksrepublik diese Position zeitnah an Frankreich (7,0 Prozent Exportanteil) verlieren wird.
Exporte nach Europa leicht im Plus
Die Ausfuhren nach Europa haben sich mit einem kleinen Plus von 1,6 Prozent zuletzt leicht positiv entwickelt. Auch in die EU-Länder, mit 46,2 Prozent Exportanteil die wichtigste Absatzregion, haben sich die Maschinenexporte im Vorjahresvergleich mit einem Plus von 1,2 Prozent gut entwickelt. Diese erfreuliche Entwicklung hatte sich bereits in den positiven Auftragseingängen aus den Euroländern im Jahr 2025 angedeutet. Frankreich, die Niederlande (Exportanteil 4,9 Prozent) und Italien (Exportanteil 4,9 Prozent) liegen auf Platz 3, 4 und 5 im Exportranking der wichtigsten Ausfuhrländer. Während die Ausfuhren nach Frankreich im ersten Quartal um 5,6 Prozent zulegen konnten, standen für die Niederlande ein Plus von 0,3 Prozent und für Italien ein Minus von 0,2 Prozent in den Büchern. Die beiden letztgenannten Länder zeigten jedoch im März eine positive Entwicklung (Niederlande: plus 4,0 Prozent, Italien: plus 6,0 Prozent).
In den Schwellenländern zeigten sich Licht und Schatten. Die Ausfuhren in die Mercosur-Staaten sind erwartungsgemäß im ersten Quartal um 13,6 Prozent gesunken. Viele Unternehmen rechneten dort mit schrittweise sinkenden Handelshemmnissen und verschoben Investitionen beziehungsweise Lieferungen entsprechend. Auch die Exporte in den Nahen und Mittleren Osten gingen um 10,0 Prozent zurück, wobei das Minus im März aufgrund des Kriegs wenig überraschend mit 17,9 Prozent besonders groß ausfiel. Die Ausfuhren in die an Bedeutung gewinnende Asean-Region waren mit einem kleinen Minus von 0,2 Prozent leicht rückläufig. Indien war mit einem Exportwachstum von 8,5 Prozent ebenfalls ein Lichtblick (März: plus 16,7 Prozent).
Ausblick: Angespannte Weltlage setzt Exporte weiter unter Druck
Die Weltwirtschaft wächst zwar weiterhin robust, das Wachstum findet jedoch insbesondere in Asien und anderen Teilen der Welt statt. Ob und wie stark der europäische Maschinenbau davon partizipieren kann, hängt von vielen Einflussfaktoren ab – insbesondere, ob weitere Handelshemmnisse und zunehmender Protektionismus die exportorientierte Branche noch stärker unter Druck setzen oder ob es gelingt, neue Handelsabkommen abzuschließen und bestehende Partnerschaften zu vertiefen. Dies könnte für etwas neuen Exportschwung sorgen.
Unter dem Strich dürften die Maschinenausfuhren aus Deutschland aber aufgrund der angespannten Weltlage auch in den nächsten Monaten unter Druck bleiben, denn eine kurzfristige Entschärfung der Lage ist nicht in Sicht. Die Politik in Berlin und Brüssel muss daher schnellstmöglich die Rahmenbedingungen für den Standort verbessern, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Maschinenbaus und damit Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland und Europa zu sichern,
fordert Uhlig.
Datenblatt Außenhandel Maschinenbau
Quelle: © VDMA e. V.
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Der VDMA vertritt 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3 Millionen Menschen in der EU-27, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt rund 900 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der in der EU verkauften Maschinen stammen aus einer Fertigungsstätte im Binnenmarkt.

