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Maschinenbau: “Wir müssen international wieder den Anschluss finden”

03.06.2026

Politik & Wirtschaft

Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine der innovations- und exportstärksten Branchen Deutschlands und größter industrieller Arbeitgeber. Er liefert die technologischen Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit – von Klimawandel über Ernährungssicherheit bis zu medizinischem Fortschritt. Eine aktuelle VDMA-Umfrage und Konjunkturdaten zeigen jedoch: Während die Branche international wächst und der Einsatz Künstlicher Intelligenz den Bedarf an hochqualifizierten Ingenieuren sogar erhöht, rechnet eine deutliche Mehrheit der Betriebe mit sinkenden Beschäftigtenzahlen im Inland. Vor allem die hohen Standortkosten bremsen den Maschinenbau in Deutschland aus.

Standort Deutschland verliert – Ausland gewinnt
International entwickelt sich der Maschinen- und Anlagenbau stabil und wächst, nicht so in Deutschland. Die Maschinenproduktion hierzulande sinkt. Die Wachstumsperspektiven für Unternehmen sind im Ausland zunehmend besser als im Inland. Dies hat auch negative Effekte auf die Beschäftigung in Deutschland.

Beschäftigungserwartungen trüben sich ein – trotz Engpässen
Eine aktuelle VDMA-Umfrage zeigt: Rund drei Viertel der Unternehmen erwarten kurzfristig einen Beschäftigungsrückgang in der Branche. Auch mittelfristig, über drei bis fünf Jahre, überwiegen die negativen Erwartungen. Für das eigene Unternehmen fällt das Urteil jedoch deutlich milder aus: Viele Betriebe rechnen eher mit Stabilität als mit starkem Stellenabbau. Nach wie vor sehen wir bei der Mehrheit der Unternehmen einen anhaltenden Engpass vor allem bei Fachkräften und Auszubildenden.

Die Ergebnisse sind ein klares Warnsignal,

betont Hartmut Rauen, stellvertretender Geschäftsführer des VDMA,

…unsere Branche bleibt innovativ und wettbewerbsfähig – aber die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland bremsen Investitionen und Beschäftigung erheblich. Deutsche Maschinenbauer investieren im Ausland, aber das Ausland nicht in Deutschland.

KI schafft neue Jobs – vor allem für Ingenieure
Die befragten Unternehmen erwarten durch den Einsatz von KI nur einen moderaten Rückgang der Beschäftigung bei Fachkräften und Auszubildenden, jedoch einen stärkeren Rückgang bei Akademikerinnen und Akademikern. Bei den Fachkräften wird die KI weiterhin einfache, sich wiederholende Aufgaben übernehmen. Bei den akademischen Tätigkeiten werden insbesondere Menschen mit Management- und Office- Aufgaben betroffen sein und weniger Ingenieurinnen und Ingenieure in der industriellen Praxis. Darauf weist die VDMA-Ingenieurerhebung aus dem Herbst des vergangenen Jahres hin. Demnach gehen die Unternehmen davon aus, dass der Einsatz von KI tendenziell sogar zu einem steigenden Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren führt.

Vor allem der Mittelstand nutzt KI zur Stärkung seiner Innovationsfähigkeit. Das erhöht den Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren,

so Rauen.

KI ersetzt keine Fachkräfte im Maschinenbau – sie verschiebt Aufgaben und erhöht die Anforderungen an Qualifikation.

Ausbildung bleibt Stabilitätsanker
Trotz der insgesamt eingetrübten Perspektiven ist die betriebliche Ausbildung ein zentraler Stabilitätsfaktor: Die Beschäftigungserwartungen für Auszubildende sind vergleichsweise stabil, Engpässe bleiben durch die demografische Entwicklung absehbar.

In der aktuellen Phase des Umbruchs setzen die meisten Unternehmen bewusst auf eigene Ausbildung,

erklärt Dr. Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung im VDMA.

Sie sichern sich damit die Fachkräfte, die sie künftig brauchen.

VDMA fordert: Deutschland muss wettbewerbsfähiger werden
Die aktuellen Entwicklungen markieren eine Abkehr von den vergangenen Jahren mit starkem Beschäftigungsaufbau im Maschinen- und Anlagenbau. Als innovative Schlüsselbranche bietet der Maschinenbau jedoch weiterhin große Zukunftschancen für qualifizierte Beschäftigte.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse fordert der VDMA entschlossene Reformen:

Deutschland muss international wieder den Anschluss finden und wettbewerbsfähiger werden – bei Kosten, Regulierung und Investitionsbedingungen,

so Rauen.

Wir wollen auch in Zukunft Deutschlands größter industrieller Arbeitgeber sein.

Grafiken Beschäftigungsentwicklung

 

Quelle: © VDMA e. V.

Haben Sie noch Fragen? Dr. Jörg Friedrich, Abteilungsleiter Bildung, VDMA, Telefon 069 6603 1935, joerg.friedrich@vdma.eu, beantwortet sie gerne.

Der VDMA vertritt 3500 deutsche und europäische Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Die Industrie steht für Innovation, Exportorientierung und Mittelstand. Die Unternehmen beschäftigen insgesamt rund 3 Millionen Menschen in der EU-27, davon mehr als 1,2 Millionen allein in Deutschland. Damit ist der Maschinen- und Anlagenbau unter den Investitionsgüterindustrien der größte Arbeitgeber, sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland. Er steht in der Europäischen Union für ein Umsatzvolumen von geschätzt rund 900 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der in der EU verkauften Maschinen stammen aus einer Fertigungsstätte im Binnenmarkt.